Die Grenze, die Menschen auseinandergerissen hat

Die Region um Görz war kulturell und politisch immer ein einheitliches Gebiet. Die neue Grenze, die zusammen mit dem Friedensvertrag am Schreibtisch entstand, war den Menschen ungewöhnlich und fremd. Die amerikanischen Soldaten, die im Sommer 1947 mit der weißen Farbe eine Linie auf die Felder, die Straßen und sogar auf die Häuser gezeichnet haben, hat zunächst niemand ernst genommen.Dass daraus etwas Dauerhaftes und Unpassierbares werden könnte, schien die Grenze allzu lebensfremd. Durch diese weiße Linie wurden, wie sich später gezeigt hat, unzählige Ungerechtigkeiten, Ungereimtheiten und ganz persönliches Leid verursacht.

Die alliierten Truppen haben sich in der Nacht zum 16. 9. 1947 aus der Zone A, dem Gebiet, das diese weiße Linie markiert hat, zurückgezogen. Für die Einwohner wurde damit die Italienische Okkupation beendet. Aus der weißen Linie wurde eine Grenze, die am Dienstag den 16. September 1947 die Soldaten der jugoslawischen Armee besetz haben. Damit entstand dort eine Grenze zwischen dem Ost- und Westblock und es senkte sich der Eiserne Vorhang nieder. Das passieren der Grenze war plötzlich nicht mehr möglich. Die Grenze war komplett abgeriegelt. Für die Menschen, die dort lebten, war es ein großer Schock.

Die Verwandten, die Freunde und die Nachbarn waren auf einmal Fremde. Wer sich der Grenze annäherte war in Gefahr von den Soldaten des KNOJ (Korps der nationalen Verteidigung Jugoslawiens), die die Grenze überwacht haben, erschossen zu werden. Niemand durfte sich ohne eine Sondergenehmigung im Grenzgebiet aufhalten.

Von der neuentstandenen Grenze zu Italien konnte man oft die Schüsse hören. Zwischen April 1949 und Ende 1950 wurden 1646 Personen festgenommen und 26 erschossen. In den fünfzigen Jahren wurde die Grenze langsam geöffnet und für die Menschen wieder passierbar. Trotz strengen Kontrollen und Durchsuchungen war es den Menschen sehr wichtig, dass sie nach einem Jahrzehnt wieder ihre Freunde besuchen konnten. Anstelle der Angst vor den Soldaten der jugoslawischen Armee trat die Angst vor den Zollbeamten. Als es in Jugoslawien noch an Vielem mangelte, haben die Zollbeamten die Ware, die auf der anderen Seite der Grenze gekauft wurde, sorgfältig durchsucht.

Mit dem Beitritt Sloweniens zur Europäischen Union wurde die Grenze nur noch eine administrative Trennungslinie die hoffentlich nie mehr die Menschen teilen wird.